R.-D. Mönning · Der Autor

Unternehmenskrisen haben sein Berufsleben geprägt. Die Menschen darin prägen seine Geschichten.

R.-D. Mönning ist ein Autor mit außergewöhnlichem Insiderwissen aus der Wirtschaft. Er beschreibt nicht nur wirtschaftliche Vorgänge, sondern macht die Menschen, Motive und moralischen Grauzonen dahinter sichtbar.

Wie er zum Schreiben kam
R.-D. Mönning beim Erzählen

Der Ausgangspunkt

„Eine Insolvenz ist immer eine Extremsituation.“

R.-D. Mönning im Gespräch mit der WirtschaftsWoche

In einer Insolvenz steht für Unternehmer ein über Jahrzehnte aufgebautes Lebenswerk auf dem Spiel. Für die Beschäftigten sind nicht nur ihre Arbeitsplätze gefährdet, sondern oft auch langjährige berufliche Wege, das regelmäßige Einkommen und die finanzielle Sicherheit ihrer Familien. Gläubiger müssen damit rechnen, dass Forderungen ausfallen und investiertes Geld nicht zurückfließt. Was rechtlich und wirtschaftlich entschieden wird, greift damit unmittelbar in Biografien, Beziehungen und persönliche Existenzen ein.

R.-D. Mönning hat solche Spannungsfelder in mehr als vier Jahrzehnten Insolvenzpraxis aus nächster Nähe erlebt. Sein beruflicher Auftrag verlangt, wirtschaftliche Realitäten zu beurteilen, rechtliche Pflichten zu erfüllen und zu prüfen, ob eine Fortführung möglich ist. Doch sein Blick endet nicht bei Zahlen, Forderungen und Bilanzen. Ihn beschäftigen ebenso die Menschen hinter den Verfahren: ihre Motive, Loyalitäten, Ängste und Konflikte. Aus dem Wunsch, auch diese Seite von Unternehmenskrisen sichtbar zu machen, begann er, seine Erfahrungen nicht nur fachlich, sondern auch literarisch zu verarbeiten.

Mehr als vier Jahrzehnte in Unternehmenskrisen. Ein Berufsleben zwischen wirtschaftlicher Verantwortung und menschlichen Folgen.

Der berufliche Weg

Seit 1979 wird R.-D. Mönning regelmäßig als Insolvenzverwalter bestellt. In mehr als 3.500 Insolvenz- und Konkursverfahren hat er Unternehmen unterschiedlicher Größenordnungen begleitet. Sein Ansatz war dabei häufig auf Fortführung und Sanierung gerichtet – sofern dafür eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage bestand.

Parallel zu seiner Arbeit als Insolvenzverwalter lehrte er Unternehmensrecht und publizierte als Fachautor und Herausgeber. So entstand über Jahrzehnte ein Erfahrungswissen, das nicht nur Paragraphen, Bilanzen und wirtschaftliche Entscheidungen umfasst, sondern auch Macht, Interessen, Verantwortung und das Verhalten von Menschen unter Druck.

  1. 1974–1979

    Der Einstieg

    Vom ersten Insolvenzfall zur regelmäßigen Tätigkeit als Verwalter

    Während seines Referendariats kommt R.-D. Mönning 1974 erstmals praktisch mit einem Insolvenzfall in Berührung. Nach dem zweiten Staatsexamen beginnt er 1979 seine regelmäßige Tätigkeit als Insolvenzverwalter.

  2. 1980–1981

    Aufbau

    Eine eigene Kanzlei und die ersten Großverfahren

    Gemeinsam mit Thomas Georg gründet er 1980 in Aachen die Kanzlei Mönning & Georg. Bereits im folgenden Jahr übernimmt die junge Sozietät erste größere Verfahren. Aus der Gründung entwickelt sich eine überregional tätige Kanzlei mit weiteren Standorten.

  3. 1993–2010

    Lehre und Wissenschaft

    Von der praktischen Erfahrung zur Professur

    1993 beginnt R.-D. Mönning seine Lehrtätigkeit an der FH Aachen. 1997 promoviert er an der Universität Maastricht zum Dr. jur., 2001 wird er zum Honorarprofessor ernannt. Nach einem Berufungsverfahren folgt 2010 die Professur; bis zu seiner Emeritierung ist er ordentlicher Professor für Unternehmensrecht an der FH Aachen.

  4. Ab 1998

    Fachliche Verantwortung

    Austausch und Mitwirkung über die eigene Kanzlei hinaus

    R.-D. Mönning übernimmt zeitweise die Sprecherfunktion im Gravenbrucher Kreis. Seine Mitgliedschaften im Gravenbrucher Kreis und im Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands begleiten seine fachliche Arbeit.

  5. 1998

    Gambler

    Ein Kultmusical zwischen großer Bühne und wirtschaftlicher Realität

    Mit „Gambler“ führt eines der ungewöhnlicheren Insolvenzverfahren R.-D. Mönning in die Welt des Musicals. Die Produktion wurde 1996 in Mönchengladbach uraufgeführt – mit Musik und Texten von Eric Woolfson, Mitbegründer von The Alan Parsons Project. Als die Musicalbühne in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und schließlich Konkurs anmelden muss, übernimmt Mönning das Insolvenzverfahren. Ein Fall, der zeigt, dass wirtschaftliche Krisen auch dort entstehen, wo Kunst, große Namen und aufwendige Produktionen zusammentreffen.

  6. 2000–2001

    Herz- und Kreislaufzentrum Dresden

    Ein medizinisches Spitzenzentrum in wirtschaftlicher Krise

    Als Insolvenzverwalter des Herz- und Kreislaufzentrum Dresden e.V. begleitet R.-D. Mönning eines der anspruchsvolleren Verfahren seiner Laufbahn. Im Mittelpunkt steht die Stabilisierung des Klinikbetriebs und die Suche nach einer tragfähigen Zukunft für das renommierte Herzzentrum. 2001 wird die Trägerschaft auf die neu gegründete Herzzentrum Dresden GmbH Universitätsklinik übertragen – der medizinische Betrieb kann fortgeführt werden.

  7. 2002

    CINQUE Mode

    Eine etablierte Modemarke vor dem Aus

    Als Insolvenzverwalter der CINQUE Modevertriebsgesellschaft mbH begleitet R.-D. Mönning die Neuordnung der international vertriebenen Modemarke. Im Mittelpunkt stehen der Erhalt des Geschäftsbetriebs, die Suche nach einer tragfähigen Lösung und die Sicherung der Marke. Noch im Jahr 2002 werden wesentliche Vermögenswerte und ein Großteil der Beschäftigten auf eine neue Gesellschaft übertragen – CINQUE kann fortgeführt werden.

  8. 2002

    CargoLifter

    Ein Großprojekt zwischen technischer Vision und wirtschaftlicher Realität

    Im Insolvenzverfahren um CargoLifter lässt R.-D. Mönning technische Machbarkeit, Marktchancen und Finanzierungsbedarf prüfen. Gesucht wird eine belastbare Grundlage für eine mögliche Fortführung des öffentlich viel beachteten Großprojekts.

  9. 2009–2012

    Adessa Moden

    Rund 300 Filialen in Europa – und die Suche nach einer Zukunft

    Mit der Insolvenz der Adessa Moden GmbH übernimmt R.-D. Mönning ein europaweit tätiges Modeunternehmen mit rund 300 Filialen und internationaler Produktion. Im Verfahren gelingt es, große Teile des deutschen Filialnetzes und mehrere hundert Arbeitsplätze zu erhalten. Standorte werden auf neue Betreiber übertragen; 2012 stimmen die Gläubiger dem vorgelegten Insolvenzplan einstimmig zu.

  10. 2012–2013

    Alemannia Aachen

    Ein Traditionsverein kämpft um seine Zukunft

    Ende 2012 wird R.-D. Mönning zunächst zum vorläufigen Sachwalter der Alemannia Aachen GmbH bestellt. Mit der Eröffnung des Verfahrens 2013 übernimmt er die Aufgabe des Insolvenzverwalters. Im Zentrum stehen die Fortführung des Spielbetriebs und die Sanierung des Vereins – unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit.

  11. 2021

    Der Schritt zur Literatur

    Erfahrungen aus der Insolvenzpraxis werden zu Geschichten

    Mit „Krisenfälle – Insolvenzen hautnah“ veröffentlicht R.-D. Mönning ein Buch, in dem er Erfahrungen aus unterschiedlichen Verfahren neu zusammensetzt und literarisch verdichtet. Sein Ziel ist es, auch Außenstehenden einen Einblick in die Welt hinter den rechtlichen und wirtschaftlichen Abläufen zu geben.

  12. 2026

    Die Kehrseite

    Aus jahrzehntelanger Erfahrung entsteht der erste Roman

    Mit „Die Kehrseite“ erscheint im Gans Verlag sein erster Roman. Die Handlung und ihre Figuren sind erfunden – die Welt aus wirtschaftlichem Druck, widerstreitenden Interessen und weitreichenden Entscheidungen kennt R.-D. Mönning aus eigener Erfahrung. An der FH Aachen ist er heute als Lehrbeauftragter für Kommunikation und Verhandlung tätig.

Vom Verwalter zum Autor

Zehn Jahre keine Zeile. Dann wurde aus vier Jahrzehnten Erfahrung Literatur.

Der Weg zu „Die Kehrseite“ begann nicht mit dem Plan, einen Roman zu schreiben. Am Anfang stand Mönnings Widerspruch gegen ein verbreitetes Bild seines Berufs: Insolvenzverwalter würden Unternehmen lediglich schließen, Beschäftigte entlassen, Vermögenswerte verkaufen und dabei vor allem selbst verdienen.

Ein Streitgespräch beim Beerdigungskaffee

Nach der Beerdigung eines engen Freundes in Bremen kam das Gespräch am Tisch auf Mönnings Beruf. Ein Gesprächspartner konfrontierte ihn mit genau den Vorurteilen, die das öffentliche Bild der Insolvenzverwaltung bis heute prägen. Mönning widersprach energisch und erklärte, worin seine Arbeit tatsächlich besteht.

Ein ebenfalls anwesender Verleger hörte zu und zog eine einfache Konsequenz: Mönning solle seine Sicht der Dinge aufschreiben. Das Buchprojekt wurde noch am Tisch per Handschlag vereinbart.

Neuseeland, sechs Monate Lockdown und endlich Zeit zum Schreiben

Aus dem Handschlag wurde zunächst kein Manuskript. Zehn Jahre lang schrieb Mönning keine einzige Zeile. Neben Verfahren, Kanzlei und Lehre fehlte ihm nicht nur die Zeit – er hatte auch noch keine überzeugende Form für sein Vorhaben gefunden.

Das änderte sich während der Coronapandemie. Mönning und seine Frau saßen sechs Monate in Neuseeland fest. Dort lernte er den Schriftsteller, Maler und Karikaturisten Helme Heine kennen.

„Und dann saß ich wegen Corona letzten Sommer ein halbes Jahr in Neuseeland fest. Da ist das Buch entstanden.“

„Das musst Du aufschreiben. In einem Jahr will ich das Buch lesen.“

Helme Heine, erinnert von R.-D. Mönning

Bei Helme Heine musste jeder Gast eine Geschichte mitbringen

Wer bei Helme Heine eingeladen war, brachte nicht nur Wein oder etwas zu essen mit, sondern eine Geschichte. Mönning erzählte eine Episode aus seinem Leben als Insolvenzverwalter. Heine erkannte darin den Stoff für ein Buch – und gab ihm den entscheidenden Rat: Reales und Erfundenes miteinander zu verbinden.

2021

Der erste Schritt

Krisenfälle – Insolvenzen hautnah

Ein Jahr später erschien „Krisenfälle“: dreizehn Episoden, in denen Mönning Erlebnisse aus unterschiedlichen Verfahren neu zusammensetzte, ergänzte und literarisch ausgestaltete.

Das Buch öffnete Außenstehenden erstmals den Blick auf die Arbeit eines Insolvenzverwalters und auf Situationen, die sich hinter Gerichtsbeschlüssen und Unternehmenszahlen verbergen.

2026

Der nächste Schritt

Die Kehrseite

Den Anstoß gab diesmal eine Filmproduktion. Sie bat Mönning, den Verlauf eines Insolvenzverfahrens von der ersten Krise bis zum Abschluss zusammenhängend aufzuschreiben. Zunächst entstand eine sachliche Darstellung des Verfahrens.

Unter dem Einfluss von Helme Heine und seiner Lektorin Linda Walz entwickelte Mönning den Stoff weiter. Aus der Beschreibung eines Insolvenzverfahrens wurde ein Gesellschaftsroman über zwei Familien, berufliche Macht, persönliche Abhängigkeiten und die Folgen von Entscheidungen, die nicht nur Unternehmen betreffen.

„Gegen diese Meinung schreibe ich an. Nicht rosarot, sondern realistisch.“

R.-D. Mönning · Persönliche Notizen zu „Die Kehrseite“, Juli 2026

Kein Plädoyer für den Insolvenzverwalter als Helden

Mönning will das negative Bild seines Berufs nicht durch eine geschönte Gegendarstellung ersetzen. „Die Kehrseite“ zeigt Insolvenzverwaltung als eine Arbeit zwischen gesetzlichen Pflichten, wirtschaftlichen Interessen, Sanierungswillen, Macht und persönlichen Versuchungen.

Die Form des Romans erlaubt ihm, nicht nur den Ablauf eines Verfahrens zu erzählen. Sie macht auch sichtbar, wie berufliche Entscheidungen in Beziehungen, Familien und persönliche Existenzen hineinwirken – und weshalb sich richtig und falsch dabei selten sauber voneinander trennen lassen.

Die Kehrseite – Roman von R.-D. Mönning

Die Kehrseite

Er sollte erklären, wie ein Insolvenzverfahren abläuft. Daraus wurde ein Gesellschaftsroman.

Der Roman begleitet Bertram Textil vom Beginn der Krise bis zum Verkauf und verbindet den Ablauf des Verfahrens mit den Konflikten, Beziehungen und persönlichen Entscheidungen der Menschen, die daran beteiligt sind.